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Weiße Tücher gegen das Vergessen

08.05.2020

Ein weißes Tuch hing am Donnerstag, 30. April aus einem der Rathausfenster. Den einen oder anderen mag das auf den ersten Blick möglicherweise verwundert haben. Die Aktion hat jedoch einen historischen Hintergrund. Denn vor 75 Jahren, als amerikanische Truppen durch Münchens Straßen marschierten und damit das Ende des Zweiten Weltkrieges eingeläutet wurde, hingen an vielen Orten in der Stadt eben jene weißen Tücher, als Zeichen der Kapitulation - beispielsweise an der Staatskanzlei, am Marienplatz oder an der Technischen Universität München.

Auch in Gröbenzell wurden weiße Tücher als Zeichen der Kapitulation aus den Fenstern und an den Kirchturm gehängt. Es hatte sich zuvor schnell herumgesprochen, dass am Olchinger Kirchturm eine weiße Fahne die kampflose Übergabe signalisiert hatte. Um ihr Leben sowie Hab und Gut in letzter Minute nicht noch zu gefährden, hissten auch hier einige Bewohner weiße Tücher. Allerdings nahmen die Ereignisse einen dramatischen Verlauf, denn die Nazis zwangen die Gröbenzeller, die weißen Fahnen wieder zu entfernen. Sie drohten damit, einige Gröbenzeller zu erschießen.

Die Amerikaner gingen von einen Hinterhalt aus. Dass Gröbenzell nicht komplett zerstört wurde und noch mehr Menschen ihr Leben verloren haben, ist zwei mutigen Männern zu verdanken, die sich nachts an den Formationen der Nazis vorbeigeschlichen und die Amerikaner mit einer weißen Flagge erwartet haben. Wenig später rückten die Amerikaner in den Ort ein. Die Historiker gehen davon aus, dass Gröbenzell so buchstäblich in letzter Minute vor seiner Zerstörung gerettet wurde.

Bürgermeister Martin Schäfer setzte mit dieser Aktion im Namen der Gemeinde ein "Zeichen gegen das Vergessen" und zur Erinnerung daran, dass "wir das Glück haben, seit 75 Jahren in einer stabilen Demokratie zu leben." Gleichzeitig mahnte er, "keinen weiteren Rechtsruck" in unserer Gesellschaft zuzulassen.