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Ortsgeschichte

Albert Fischer

Die erste authentische Auskunft und somit die erste Erwähnung Gröbenzells lässt sich aus einem Vortrag über das Aubinger Moos von Adrian v. Riedel am 21. V. 1795 schließen. Er schreibt in diesem Vortrag, dass 1570 der Herzog von Bayern (Albrecht V., in dessen Besitz dieses Gebiet damals schon war) am Gröben.. "ein Hauß, so zweigädig (= zweistöckig) auf der von Aubing Wißmather (=Wiese) darzu sich Tagw. Weith darzu hergegeben und bewillige aufsetzen, darinen einer wohnt, dar auf dem Gröben und neuen Weg ein fleißig Aufsehe haben soll, damit nit schaden beschehe."
In dieser Aufzeichnung werden drei bedeutende Tatsachen erwähnt:

1. Eine neue Straße wurde angelegt.
2. 1570 wurde hier ein Haus gebaut.
3. Ein Aufseher sollte in diesem Haus wohnen.

Anfangs hatten die Gröbenhüter allerdings noch wenig Arbeit mit der Straße, da sie für den Durchgangsverkehr - außer dem mit Graßlfing - gesperrt war. Dafür mussten sie längs der Straße Gräben und Schranken anlegen. Den Wirkungsbereich schildert der Gröbenhüter Pagner 1632 in einem Brief an den Kastner. Er schreibt darin, daß er den Gröben 1 Meile (ca. 7400m) zu beaufsichtigen habe, und den Weg 3600 Klafter (ca. 6500m) lang machen müsse. Die Weglänge entspricht der Entfernung Lochhausen - Olching. Danach hat der Gröbenhüter also die Straße von Lochhausen (heute München) nicht nur bis zum Gröbenbach sondern bis Olching beaufsichtigt.

Nähere Hinweise über eine Erhebung von Zöllen können wieder aus dem Vortrag von Adrian v. Riedel entnommen werden. Er schreibt hier:
.."in ältersten Zeiten ging die heutige Hauptstraße von München nach Landsberg nicht über Pfaffenhofen, sondern über das sog. Aubinger Moos durch Aubing nach Olching und zu dem Ende befand sich mitten in diesem Moos ein fürstlicher Zöllner..".
Es muß sich bei dieser Beschreibung um die Zeit nach 1623 gehandelt haben, da vorher die Regenten Herzöge waren, und sie erst in jenem Jahr die Kurfürstenwürde für die Verdienste im 30jährigen Krieg erhielten.
Zusammenfassend darf man wohl sagen, dass die Gröbenhüter anfangs wirklich nur die Aufgabe der Straßenpflege hatten, und erst ab 1633/34 unter Kurfürst Maximilian I. der zusätzliche Zolldienst dazukam. Das neue Haus wurde dann sicher schon als Zollhaus gebaut. Die neue amtliche Anschrift hieß jedenfalls von da ab: Gröbenzollner aufm Gröben-Zohlhaus. Es dürfte auch die Zeit gewesen sein, in der man den Weg durch Gröbenzell für den Salzhandel freigegeben hatte. Der Zöllner vom Gröbenbach ("Gröbenzoll") blieb für lange Zeit der erste und einzige Gröbenzeller. Erst allmählich siedelten Kleinbauern und Torfstecher in weitem Rund um den "Gröbenzeller Hof".

Die politische Gemeinde Gröbenzell feierte 2002 ihren 50-jährigen Geburtstag. Sie entstand 1952 aus Ortsteilen der Landeshauptstadt München sowie der umliegenden Gemeinden Puchheim, Olching und Geiselbullach. Die eigentliche Entwicklung Gröbenzells begann erst um die Jahrhundertwende, als die wenigen Häuser im Moos eine eigene Bahnstation erhielten (1898). 1920 hat Gröbenzell 800 Einwohner, 1929 sind es 1.100 und im Jahr 1936 bereits 1.600 Einwohner. Eine durchaus organische Entwicklung also. Sie hielt auch in den Jahren nach Gründung der politischen Gemeinde zunächst an. 1962 zählte Gröbenzell erst 7.000 Personen. Dann allerdings war der Einwohnerzuwachs kaum mehr zu bremsen. Die Expansion der Landeshauptstadt und die verkehrsgünstige Lage Gröbenzells zu den Arbeitsplätzen in München führte zu einem gewaltigen Zuzug. Die Neuausweisung von Baugebieten und Lückenschließungen bewirkten, dass 1972 schon 14.000 Einwohner in Gröbenzell beheimatet waren.

Auszug aus dem Heimatbuch Gröbenzell, Horst Hell, Auflage 1996